"Berti, Du bleibst" - Lebenszeichen am Weg: Foto-Ausstellung in Wallfahrtskirche eröffnet - Fotograf Peter Schäfer: "Gewohnter Blick aus der Lethargie gerissen"

 

Ins Gespräch vertieft (v.l.): Fotograf Peter Schäfer, Christoph Walser und Andreas Baumeister von "ferment".

Vallendar/11.04.2011 - Staunen, Betroffenheit, stille Momente, rockige Musikeinlagen wechselten einander ab, als die Pallottiner von Haus Wasserburg am Samstag, 9. April 2011, in der Wallfahrtskirche die Ausstellung „Berti, Du bleibst – Lebenszeichen am Weg" eröffneten. Und kein Gast blieb unbeteiligt: Ob ein leichtes Schmunzeln oder der unauffällige Griff nach dem Taschentuch - beides wird bis zum 6. Mai, dem letzten Tag der Ausstellung an diesem Ort, wohl noch häufiger zu sehen sein.

Mit den Worten „wer Wegkreuze aufstellt, will auch, dass sie beachtet werden“ begrüßte der Rektor, P. Alexander Diensberg, die Gäste und führte kurz in die Arbeit des Fotografen Peter Schäfer ein, der sich vor fünf Jahren erstmals mit dem Thema beschäftigte und seitdem etwa 150 verschiedene Motive aufnahm. Sie gehören inzwischen schon zum gewohnten Bild auf unseren Straßen, aber lassen kaum jemanden unberührt: Wegkreuze. Am Straßenrand aufgestellt erinnern sie an verunglückte Familienangehörige und FreundInnen.

 

Es müssen nicht immer nur die "jungen Wilden" sein, es kann jede und jeden treffen

 

Die Ausstellung sei der Versuch, das, woran wir täglich flüchtig vorbeifahren in den Innenraum einer Kirche zu holen, damit dem Betrachter beim Blick aus der Nähe das eine oder andere Überraschende, Anrührende und bleibend Beeindruckende begegnen kann, so P. Diensberg. Ein Foto aus Rostock zeigt, dass es nicht immer nur die "jungen Wilden" sein müssen, sondern es jede und jeden treffen kann. Meist sind es jedoch junge Menschen, die im Straßenverkehr ums Leben kommen. Und so wurde das Programm der Ausstellung auch nicht von getragener Streichmusik umrahmt, sondern von Musik, die junge Menschen hören: Rockmusik von den "roten Hosen" aus Vallendar.

Andreas Baumeister, Chefredakteur der Schweizer Pallottiner-Zeitschrift „ferment“ und Mitveranstalter der Ausstellung, lotete in einem Interview Peter Schäfers Beweggründe aus: „Aufmerksam auf das Thema wurde ich, als ich ein bestimmtes Kreuz immer wieder passierte und im Laufe der Zeit Veränderungen an der Dekoration wahrnahm“, erläuterte der in Bochum geborene Fotograf. Sein gewohnter Blick sei aus der Lethargie gerissen worden. Die Neugier war geweckt, das Bild aus der Nähe zu betrachten. „Und mit einem Mal verstand ich, dass es hier zwar um Tod, Trauer und Abschied ging, aber vielmehr noch um Leben.“ Denn eines trat ihm damals deutlich vor Augen: Es sind die Hinterbliebenen, die diese Kreuze aufstellen.

 

Und plötzlich hatte das Thema nichts Fremdartiges mehr für ihn. Plötzlich ging es für ihn nicht mehr um unbekannte Verstorbene, es ging um die Lebenden. Gefühle in einer persönlichen Form ausgedrückt, die auch dem Fotografen vertraut sind. „Ich habe noch nie empfunden, dass tote Materie, also Materialien wie Holz, Stein, Draht, Plastik, so lebendig werden können wie hier“, so Schäfer.

Martina Ihrlich vom Verein „Leben ohne dich e. V.“ – Selbsthilfe für verwaiste Eltern und Geschwister, selbst Betroffene und heute in der Trauerbegleitung engagiert, trug ebenso eigene Texte vor wie Almut Haneberg und Christoph Walser aus dem Autorenteam von „ferment“, die in Zusammenarbeit mit Schäfer eigens Fotografien und Texte zu einem Sonderheft für die Ausstellung konzipiert hatten.

 

Kleinen Zeichen im Glauben und Leben der Menschen aufmerksam gegenüberstehen

 

P. Adrian Willi, Provinzial der Schweizer Pallottinerprovinz, dankte zuletzt dem Fotografen für seinen Mut und die Bereitschaft, seine Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Bilder und somit die Lebenszeichen am Weg können durchaus auch Impulse sein, um Menschen, die schwer krank sind, Trost zu geben. Der Provinzial der Herz-Jesu-Provinz, P. Hans-Peter Becker, dankte seinen Mitbrüdern, dass diese dem Geist ihres Gründers Vinzenz Pallotti gefolgt seien, der immer auch den kleinen Zeichen im Glauben und Leben der Menschen aufmerksam gegenüberstand und diese anderen zeigte. 

Diese Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann entliehen werden. Literatur– und Filmempfehlungen für Kinder und Jugendliche, für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, für verwaiste Eltern, für Partner, Verwandte und Freunde, sind im Pallottiner Buch- und Weltladen einzusehen und zu bestellen. Das pädagogische Team von Haus Wasserburg wird in einer Planspielfortbildung ein Planspiel zum Thema Tod/Trauer erarbeiten. Ab Mai 2011 kann dieses Planspiel unter info@STOP-SPAM.haus-wasserburg.de angefragt werden.

 

(Quelle: www.pallottiner.org )

2/2011 «Mitten im Leben»
Wenn Menschen plötzlich sterben: Wie die Zurückgebliebenem ihrem Schmerz und ihrer Hoffnung auf neues Leben Ausdruck geben. Mit farbigen Fotos von Peter Schäfer.