Ein Bild und sein Programm

 

Am Samstag vor Pfingsten feiern die pallottinischen Gemeinschaften das Fest „Maria, Königin der Apostel“ als ihr Patronatsfest. Man findet dieses Fest im offiziellen Liturgiekalender nicht. Auch der Titel „Maria, Königin der Apostel“ ist selten. Er stammt aus der lauretanischen Litanei aus dem 16. Jahrhundert deren Wurzeln wie der Name besagt im Wallfahrtsort Loreto in Italien liegen. Der heilige Vinzenz Pallotti war selbst als Pilger an diesem grossen Marienwallfahrtsort wo nach der Legende das Haus der Heiligen Familie von Engelshand aus Nazaret hergebracht worden sein soll. Aber das ist eine andere, spannende Geschichte!

 

In dieses Haus ist nach dem Lukasevangelium der Engel Gabriel eingetreten und hat Maria verkündet, dass sie bei Gott Gnade gefunden habe, ein Kind empfangen und einen Sohn gebären werde, dem sie den Namen Jesus geben solle (Lk 1, 26 ff.). Auf die Frage, wie dies geschehen solle heisst es, dass es ein Werk des Heiligen Geistes sei.

 

Maria verlässt das Haus und geht zu Elisabeth um ihr diese frohe Botschaft zu bringen. Diese ruft, bewegt vom gleichen Heiligen Geist, aus: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk 1, 42).

 

Das ist der Beginn! Und nun braucht es einen grossen Schritt bis Pfingsten. In Jerusalem haben sich die Apostel, die Jüngerinnen und Jünger mit Maria zusammen aus Furcht im Abendmahlssaal versteckt und eingeschlossen. Wieder ist es Maria, die mit ihrer Gebetshaltung die Freunde Jesu zusammenhält. Ihr Gebet hat in der Nachfolge Jesu einen entscheidenden Impuls empfangen: „Dein Reich komme!“ (Mt 6, 10). Und wieder ist es der Heilige Geist, der wirkt: Die Kirche wird geboren um für das kommende Reich Gottes Zeungis abzulegen. Wieder öffnet sich die Türe, wie damals in Nazaret, und nun tragen alle diese Frohe Botschaft hinaus.

Das ist es, was den hl. Vinzenz Pallotti ergriffen hat: Maria, offen für das Wirken des Heiligen Geistes, hat am Anfang des Lebens Jesu die Frohbotschaft verkündet und ebenso tut sie es am Anfang des Lebens der Kirche und nimmt die Apostel sozusagen in die Schule, denn sie versammelt sich um sich und öffnet dem Heiligen Geist die Türe, damit alle Türen aufgestossen werden und die Frohbotschaft hinausgetragen werden kann. Sie hat als erste erfahren, was Apostolat bedeutet, sie ist – wie in der lauretanischen Litanei gepriesen – die Königin der Apostel!

 

Die Idee von einem allgemeinen Apostolat lässt Vinzenz Pallotti vom Maler Seraph Cesaretti nach einem Kupferstichvorbild von Friedrich Overbeck ausführen. Er besteht aber darauf, dass die Pfingstgemeinde durch weitere Menschen erweitert wird, denn alle sind nun berufen Apostel zu sein. Das ist eine neue Sicht von Kirche: Apostolisch ist sie nicht nur aufgrund der Nachfolger der Apostel (Papst und Bischöfe, Hierarchie), sondern aufgrund der Verantwortung aller Getauften, die Frohbotschaft vom Reich Gottes in Wort und Tat zu verkünden. Ein kleines, fast subversives Symbol: Auf diesem Bild hat Petrus für einen Moment die Schlüssel aus den Händen gegeben und sie auf den Boden gelegt!

 

Das Leitbild „Maria, Königin der Apostel“ fordert die pallottinischen Gemeinschaften immer wieder neu heraus, dem Heiligen Geist Raum zu geben, missionarische Kirche zu sein, Türen, aber auch den eigenen Kreis zu öffnen und beim Hinausgehen möglichst viele mitzunehmen, um die Frohbotschaft auf ganz verschiedene Weisen zu verkünden.

 

P. Adrian Willi

Predigt Maria Königin der Apostel

P. Provinzial Adrian Willi

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